TATORT: UKRAINE
DREI RETTUNGEN
AUS DEM
SCHLIMMSTEN
TODESHAUS.
ODESSA |
|
Der Bürgermeister war
gesprächsbereit, alles sollte besser werden. Doch meine Recherchen haben ergeben, dass weiter
getötet und an eine Änderung der Situation nicht gedacht wurde. In meiner
Verzweiflung bat ich Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes,
um Unterstützung. Gemeinsam flogen wir nach Odessa, Für Herrn Apel sollte
dies der erste Kontakt mit einem Budka, einem Todeshaus für Tiere werden - und
die schlimmsten Stunden in seinem Tierschutzleben.
Es war früher Morgen, als wir ins Budka gingen. Zwei Käfige waren leer. 60
Hunde wurden bereits getötet. Apathisch, regungslos liegen die die übrig
gebliebenen
Geschöpfe nun aufeinander zitternd in einer Ecke. Schöne, gepflegte Hunde sind
darunter, die von verzweifelten Besitzern teuer herausgekauft werden müssen,
obwohl sie ihnen vor der Nase weg gefangen wurden. Mein Blick fällt auf einen kleinen weiß-braunen
Corgi-Mischling, der mich stumm ansieht. |
|
Hinter ihm
eine blutjunge zierliche Schäferhündin, die noch voller Kraft und Lebensfreude steckt.
Anscheinend erst kurz im Budka. Sie ist die einzige, die herzerweichend in diesem
gespenstig stillen, stockdunklen Verlies heult. Ich will den kleinen braun-weißen Hund, den ich spontan Wolfi
nenne, herausholen (das Selektieren ist das Grausamste), doch der Hundefänger
geht dazwischen. Ich stoße ihn weg, öffne das Gitter, beuge mich zu dem
zitternden Wolfi.
Da passiert es. Die zarte Schäferhündin Tina, so habe ich sie getauft,
sieht die Chance ihres Lebens und will durchs offene Gitter springen. Doch der
Hundefänger drückt sie brutal wieder zurück. Tina jault auf, springt noch
einmal - und schafft es. Tatjana, die Vorsitzende des Odessaer Tierschutzvereins,
und Wolfgang Apel ziehen das wimmernde Tier zu sich und lassen es nicht mehr
los. Tina und Wolfi waren die letzten Tiere, die das Budka an diesem Tag lebend
verließen. |