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TATORT:
UKRAINE
TIERSCHÜTZE-
RINNEN WERDEN
ZU HELDINNEN,
ABER GEFÄHRDEN
IHRE GESUNDHEIT.
KIEW Ehemaliges Todeshaus,
genannt Budka: Mit unermüdlichem Einsatz schafft Tierheimleiterin Tamara Tarnawska aus dem
ehemaligen Budka, in dem Hunde und Katzen bei lebendigem Leibe enthäutet wurden,
ein Refugium für herrenlose Tiere. Doch sie hat mit unendlichen Schwierigkeiten und Schikanen seitens der
Regierung und Stadtverwaltung zu kämpfen. Besonders dramatisch wurde die
Situation, als ich im März 2001 mit einem Bild-am-Sonntag-Team in Kiew war, um die
Machenschaften der Tierfänger-Mafia aufzudecken. Nach Erscheinen des Berichts war Tamara und auch die
Tierheim-Crew massivsten Bedrohungen ausgesetzt. Tamaras Auto wurde
demoliert, tote Hunde vor ihr Tierheim gekarrt, um zu demonstrieren »so behandelt sie ihre Hunde«, eine Tierpflegerin
tagelang entführt und misshandelt, schikanöse Auflagen erlassen. Erst, nachdem sich Mitarbeiter der
Deutschen Botschaft eingeschaltet und für Tamara und die Tiere gekämpft haben,
entspannte sich die Situation. Dann die frohe Kunde: Die Box-Brüder Klitschko
versprachen den Mitarbeitern der Deutschen Botschaft, so bald wie möglich das
Tierheim besuchen und helfen zu wollen. Auch ich unterstütze Tamara, so gut es geht.
Zur Problematik: Das korrupte Kutschma-Regime und die anscheinend bestehende Tier-Mafia machen es
unendlich schwierig, alle Budkas, vor allem in Kiew, wo es in einem Pinienwald ein
neues Todeslager gibt, schließen zu lassen. Es ist immens lebensgefährlich, die Bild-am-Sonntag-Quintessenz hat es gezeigt, in
diese Geschäfte vorzustoßen. Ich helfe aber anderweitig. Und das sieht in Kiew so aus:
Frau Dr. Asja Vilgelmovna, Mathematik-Professorin, kümmert sich um etwa 300 Hunde und Katzen, die sie ein einer
Art LPG untergebracht hat. Sie holt die Todeskandidaten von der Straße oder sie
werden ihr von tierlieben Menschen, die die Route der Tierfänger erfahren haben,
gebracht. Die zierliche Frau ist oft am Ende ihrer Kraft und Nerven. Dann lässt
sie mich anrufen, wann ich denn käme. »Das hilft schon« sagt mir ihre
deutschsprechende Helferin Natascha, Architektur-Studentin. Asja finanzierte ich
bereits Öfen, Umbauten, Futter, Tierarzt oder Medikamente. |
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Galina: Galina erwähnte ich bereits in meinem ersten SCHREI. Leider ist die
unerschrockene Tierschützerin, die mir soviel geholfen hat, nicht mehr Herr ihrer
Sinne. Sie »sammelt« Hunde von der Straße und steckt sie in das kleine
Häuschen, das ich ihr vor Jahren mal gekauft habe und einzäunen ließ.
Mittlerweile sind es an die 200 Tiere (Katzen im Speicher eingesperrt, die
ich befreite), verteilt auf zwei kleine Zimmer, praktisch ohne Nahrung.
Die Verhältnisse fand ich so
katastrophal, dass ich eines Tages mit einem großen Fahrzeug zu dem Anwesen
fuhr und 12 der Ärmsten ins Auto packte und in die Tierklinik fuhr. Sechs Tiere
mussten eingeschläfert werden, jede Behandlung kam zu spät. Die anderen brachte ich zu Asja. Besonders kritisch
war der Zustand von Lassie, einem sanften Collie, den Galina in einen
stockdunklen Verschlag steckte und den ich zufällig entdeckt habe. Ich flehte die Tierärztin
an, alles Menschenmögliche für Lassie zu tun. Zuviel hat er gelitten, zu sehr rührten
mich seine bittenden Augen. Immer wieder schüttelte sie den Kopf, als sie den
ausgemergelten Körper untersuchte. Doch sie gab ihm eine Chance. |
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Heute lebt Lassie bei Asja und jedes Mal, wenn er meine Stimme hört, fängt er
freudig zu toben an. Ich werde ihn diesmal, im Oktober 2001, mit nach Deutschland
nehmen und mich auch um die anderen Tiere von Galina kümmern. Danka und Kastanka haben bereits das
Glück, in Deutschland zu leben. Danka, eine zierliche Schäferhündin, hauste an
einer Tankstelle in Kiew und wurde schwer an der Pfote misshandelt. Es bestand keine Chance, sie fachmännisch in
Kiew behandeln zu lassen. Ebenso Kastanka in Tamaras Tierheim. Sie hatte eine stark verkrüppelte Pfote, die bei
jedem Auftreten schmerzte. Beide Tiere Liebe pur. Ich nahm sie mit nach Deutschland, ohne zu ahnen, was ich
meinem lieben »Leib-und-Magen-Tierarzt« Dr. Peter Saur aus Garmisch-Partenkirchen damit angetan habe. Dankas
Pfote war so schwer verletzt und kompliziert verkrüppelt, dass vier
Nach-Operationen notwendig waren. »Das war eine Herausforderung«, sagte Dr. Saur, der
spätabends mit einem Human-Mediziner-Kollegen operierte.
Heute, ein halbes
Jahr später, ist Dankas Pfote zwar immer noch nicht gerade, was wohl nie mehr
sein wird, aber sie ist schmerzfrei und führt im Tierheim
Garmisch-Partenkirchen ein Prinzessinnen-Leben. Aber es wäre doch schön, wenn Danka ein
eigenes Heim erfahren würde. Kastanka wurde mittlerweile zum Lebensinhalt einer älteren Dame.
Danke, Werner Gunhold von Austrian Airlines Kiew, dass sie mir die beiden Hunde kostenlos nach München
transportieren ließen. |